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Niedrigwasser stresst Fische im Rhein !

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Selten war Ende Mai so wenig Wasser im Rhein wie derzeit. Wenn es in den Einzugsgebieten des Stroms nicht bald ergiebige Regenfälle gibt, droht dem Fluss ein Rekord-Niedrigwasser. Fischereibiologen warnen vor den Risiken für die Fischbestände. Rhein1

Düsseldorf Ivar Steinmann ist Fischereibiologe. Der Wissenschaftler aus Bonn erstellt Gewässergutachten und hat Untersuchungen über den Fischbestand im Rhein durchgeführt. Das aktuelle Niedrigwasser erfüllt ihn mit Sorge. "Wenn es in den nächsten Wochen richtig warm wird, kann der Sauerstoff im Fluss knapp werden", sagt Steinmann. "Krankheiten breiten sich dann leichter aus." Im Hitze-Sommer 2003 löste die Rotaalseuche - eine bakterielle Infektion - ein Fischsterben aus. Der niedrige Pegel führt bereits jetzt zu Problemen. In Duisburg-Rheinhausen zwang das Niedrigwasser die Angelvereine dazu, die Roos, einen Altarm des Rheins, abzufischen.

2003 sank der Rheinpegel in Düsseldorf auf 40 Zentimeter ab. Gestern Abend lag der Pegel zwar noch bei 77 Zentimetern, doch die heiße Jahreszeit steht erst noch vor der Tür. "Wenn es weiterhin so trocken bleibt, ist es nicht auszuschließen, dass es am Rhein ein Rekord-Niedrigwasser gibt", sagt Bernd Mehlig vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Die Voraussetzungen dafür seien vorhanden. So ist zum Beispiel der Pegel des Bodensees (Konstanz) derzeit rund einen Meter niedriger als sonst um diese Jahreszeit. "Wegen der geringeren Winterniederschläge in den Alpen hat die Schneeschmelze in diesem Frühjahr weniger Wasser in den See befördert als üblich", erklärt Mehlig. Wenn der Regen weiterhin ausbliebt, könne dies zu "einer Trockenheit wie im Jahr 1976 führen", so der Experte. Es sei sogar nicht auszuschließen, dass es zu Beschränkungen für die Wassernutzung kommen könnte. "1976 gab es Weisungen, möglichst auf verbrauchsintensive Tätigkeiten wie Wagenwaschen und Rasensprengen zu verzichten", sagt Mehlig.

Während viele Flüsse in NRW dRheinurch die Talsperren aufgefüllt werden können, gibt es beim Rheinpegel keine Steuerungsmöglichkeiten. Niedrige Wasserstände und steigende Temperaturen werden für die Arten zum Problem. Bei einem niedrigen Rheinpegel können bis zu 28 Grad und mehr im Wasser erreicht werden", sagt Anne Schulte-Wülwer-Leidig, Vize-Geschäftsführerin der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR). Bereits Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad können empfindliche Arten wie Lachsforelle und Äsche belasten. Barbe, Rotauge und Zander sind ab 25 Grad gefährdet. Gestern Abend lag die Wassertemperatur an der Messstation Düsseldorf-Flehe bei 21,5 Grad. Eine Sauerstoffkonzentration von weniger als vier Milligramm pro Liter gilt für die Fische als kritisch.

Niedrigwasser bedeutet "Stress" für die Wasserfauna. "Wenn Flachwasserzonen trocken fallen, gibt es einfach weniger nutzbaren Raum unter Wasser", heißt es in der Fachabteilung des NRW-Umweltministeriums. Zudem steige aufgrund des verringerten Wasservolumens die natürliche Salzkonzentration, und auch - relativ zur Wassermenge gerechnet - der Gehalt an Umweltschadstoffen.

Umweltsünden können bei Niedrigwasser sofort ein massives Fischsterben auslösen. "Das illegale Ablassen von Treibstoffen wie Öl- und Dieselresten oder der laxe Umgang mit Reinigungsmitteln durch den Schiffsverkehr wirkt sich bei geringerem Wasservolumen zwangsläufig gravierender auf die Fische aus", sagt NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne). "Das Einleiten warmen Abwassers spitzt den ökologischen Engpass ebenfalls weiter zu."

Klimaforscher gehen davon aus, dass extreme Wetterlagen künftig zunehmen werden. Das bedeutet, dass man sich auch auf besonders niedrige Wasserstände im Rhein einrichten muss. Experten des IKSR erforschen derzeit, welche Auswirkungen die thermische Belastung durch Kühlwassereinleitung von Kraftwerken auf die Temperatur des Rheins hat.

Mit Blick auf die geplanten Kraftwerksneubauten in NRW fordern Naturschutzorganisationen die Landesregierung auf, einen "Wärmelastplan" für den Rhein zu erstellen. "Der könnte die Grundlage dafür sein, künftig Wärmeeinleitungen in kritischen Phasen zu unterbinden", sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND in NRW. 2003 hatten bereits Firmen mit einer Minderung der Stromproduktion auf die hohen Temperaturen im Rhein reagiert.

Von Gerhard Voogt; Rheinische Post Nr. 126 vom 31.05.2011; Ressort: RR Land und Leute

Fotos: Thomas Sävert von Naturgewalten.de

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